Messerstahl S90V | Vorstellung und Belastungstest

S90V Müller Messer MSP

S90V beziehungsweise CPM420V ist ein pulvermetallurgischer Stahl aus den USA mit einer hervorragenden Schnitthaltigkeit, welcher alle üblichen Messerstähle in den Schatten stellt.

CPM beschreibt dabei den lizensierten, pulvermetallurgischen Herstellungsprozess: Crucible Particle Metallurgy. Der Messerstahl besitzt eine deutlich bessere Schnitthaltigkeit im Vergleich zu anderen Messerstählen, bei einer üblichen Härte von 59 HRC. Dabei ist er genauso gut korrosionsbeständig wie 440C.

Materialeigenschaften. Die chemische Zusammensetzung des S90V entspricht im Wesentlichen einem AISI 420 mit einem großen Anteil zugesetzten Kohlenstoff und Vanadium. Dabei soll in der Legierung das sehr stabile Vanadiumkarbid anstatt dem üblichen Chromkarbid entstehen. Das ungebundene Chromium verbessert daraufhin die Korrosionsbeständigkeit. Im Vergleich zu Schmiedestählen erzeugt das pulvermetallurgische Verfahren ein feineres Metallgefüge welches sich wiederum positiv auf die Performance des Messers auswirkt. Insbesondere neigen diese Stähle nie zu den oft bei Kohlenstoffstählen zu erfahrendem Ausbrechen („Scharten“) beim Schärfen der Klingen. Im ähnlichen Vergleichsfeld dauert es allerdings länger den S90V zu schärfen, Profis greifen daher zu modernen und mittlerweile sehr günstigen Diamantschärfern.

Anwendung. Der Hersteller empfiehlt den Stahl als Arbeits- und Maschinenstahl, oder für die Herstellung besonders schnitthaltiger Klingen.

Meine Meinung. Wie aus einigen Bildern hier auf der Webseite zu sehen bin ich sehr zufriedener Nutzer von zwei Müller MSP Linerlock und einem MSP Outdoor und Spezial-Droppoint. Mit meinen Standardschärfmethoden bin ich genauso schnell und effizient wie bei jedem anderen Messer. Der Unterschied ist das ich in drei Jahren die Taschenmesser noch nie Nachschärfen musste. Die S90V-Messer sind unglaublich Schnitthaltig und bringen ein hohes Maß an Leistung. Herr Müllers Messer und seine Preise kann man daher nur zu Recht als Pioniersarbeit bezeichnen. I love it.

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Belastungstest. Ich habe das Müller MSP Outdoor Ende 2014 auf 15 Grad Sekundärphase umgeschliffen. Das entspricht einem Winkel den man in der Regel nur bei sehr feinen Küchenmessern findet. Natürlich ist das bei einem Outdoormesser komplett unangebracht, aber reduziert die Stabilität der Schneide erheblich. Ich habe das Messer dann ein ganzes Jahr lang durchgängig ohne Nachschärfen genutzt, ausschließlich über das Leder abgezogen. Frühjahr / Sommer ging es mit dem ein oder anderen Outdoor-Spaß los (Bushcraft, Angeln), im Anschluss folgte die umfangreiche Jagdsaison. Dabei wurde das Messer sowohl zum Aufbrechen (Ausnehmen) und auch Versorgen (Verarbeiten) von Wild verwendet. Die verwendeten Messer müssen permanent scharf sein um eine hohe Handhabungssicherheit zu gewährleisten. Problem: permanenter Kontakt mit Knorpel und Knochen. Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, die wenigsten Messer halten einen ganzen Verarbeitungszyklus durch. Erst zum Ende der Saison hin hat das Müller bei vielfach sehr starken Wild schlapp gemacht. Schonmal eine beachtliche Leistung. Nun war es Winter und kalt, da musste man am Lagerfeuer schonmal Dosen aufschneiden und sich Hobokocher basteln. Immernoch keine Ausbrüche. Toilettengang, Löchlein mit dem Messer gebuddelt, immernoch keine Ausbrüche. Schrauben festziehen und lösen. Ups, das tat weh… (siehe Bilder), jetzt sind die Ausbrüche da. Die waren nach wenigen Minuten auf dem WorkSharp wieder weg. Das Messer hat gewaltige Ausdauer und Haltbarkeit bewiesen. Hut ab!

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Fazit. Der S90V ist ein hervorragender Stahl und man kann entsprechende Messer ohne schlechtes Gewissen als Premium-Arbeitsmesser bezeichnen. Ein S90V Taschenmesser im Alltagseinsatz muss so gut wie nie nachgeschärft werden.

S90V – Einige Perlen aus dem Shop:

Die Originalinformation des Herstellers findet Ihr hier (KLICK).

Chemische Zusammensetzung (% nominal):

C Si Mn P
max
S
max
Cr V
2.30 1.00 14.0 9.00

3 Comments on “Messerstahl S90V | Vorstellung und Belastungstest

  1. Interessanter Artikel!

    Hört sich ja echt nach einem herausragendem Stahl an. Da scheint sich so ein Messer tatsächlich zu lohnen, vor allem wenn man den 420er oder 440er stahl von anderen Messern in der gleichen Preisklasse bedenkt.

  2. Würde eine S90V-Klinge gerne an einer Tormek schärfen.
    In welcher Reihenfolge würden Sie vorgehen, welche Schleifsteine einsetzen?
    Habe Probleme, das Ding wirklich ganz scharf zu bekommen.

    • Hallo,

      immer erst vom groben zum feinen Stein arbeiten.
      Mit Edding kann man die Schneide zuvor markieren und schauen was man abträgt.
      Und nur von einer Seite arbeiten, bis man den Grat zum Arbeiten spüren kann.
      Sollten Sie nicht ganz auf der Scheide liegen kann das schnell zum stumpfen Schleifen führen.

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